Der folgende Blog Eintrag ist einerseits als Beitrag zur [Mehrblick Blogparade] [Mehrblick Blogparade]

zum Thema „Besinnung auf echtes Unternehmertum“ gedacht, andererseits als Aufarbeitung des gestrigen Moduls 1: „Ökosoziale Marktwirtschaft – Konzept und Instrumente“ des Ökosozialen Studierendenforums.

In einem Weltcafé-Setting stellten wir uns die Frage, inwieweit Politik, Zivilgesellschaft und Unternehmen Beiträge zu einer nachhaltigen und ökosozialen Marktwirtschaft leisten können. Die Ergebnisse wurden auf Flipcharts festgehalten und sind weiter unten nachzulesen.

Die Dreifaltigkeit bestehend aus Politik, Zivilgesellschaft und Unternehmen

Komplexe Fragestellungen bedürfen komplexer Lösungen. Und so war es nicht verwunderlich, dass im Politikbereich Bildungsarbeit und Transparenz, Interdisziplinarität und langfristiges Denken gefordert wurden. Der zweite große Punkt war die Forderung nach mehr Partizipation, nach mehr Demokratie und neuen Parteien. Und hier, während beim ersten Punkt Einigkeit herrschte, sorgte der Zweite schon für heftige Diskussionen. Abgeschlossen wurde der Bereich der Politik mit der Frage nach Überregionalität, nach einer Stärkung internationaler Institutionen und der gesetzgebenden Verantwortung der Politiker.

Die Partizipation war auch ein Wunsch in Bezug auf zivilgesellschaftliche Prozesse. Der Wunsch nach Bildung, um komplexe Themengebiete besser zu verstehen und verständlich zu machen und dadurch als Vorbild für andere den Weg in eine ökosoziale Marktwirtschaft zu ebnen. Aber nicht nur komplexe Fragestellungen, auch komplexe Systeme in Bezug auf institutionelle Arbeitsvorgänge, Gesetzgebungsprozesse oder Fördergelder wollen verstanden werden, gemäß dem Leitsatz: „Don’t fuck the system, work the system“. Um Hebeleffekte besser ausnutzen zu können und weg von stereotypen Ökoklischees zu kommen, muss eine Professionalisierung des zivilen Protests und der Meinungsbildung erfolgen. Gerade auch im Bereich der Vernetzung unterschiedlicher Organisationen müssen hier noch weitere Schritte gemacht werden.

Welchen Beitrag Unternehmen für eine ökosoziale Marktwirtschaft leisten können, möchte ich abseits von den Ergebnissen des Ökosozialen Studierenforums durch das Einfließenlassen meiner eigenen Ideen in Bezug auf ein echtes Unternehmertum behandeln.

Der Eigentümer-Unternehmer als eine der Grundsäulen der Ökosozialen Marktwirtschaft

Für mich sehr interessant an der gestrigen Diskussion, in Bezug auf Unternehmen, ist die wahrgenommene Allmacht börsennotierter Unternehmen. Ein geforderter Paradigmenwechsel in Bezug auf ein qualitatives Wachstum, langfristiges Denken und nachhaltiges Wirtschaften verpufft in der Argumentation oftmals durch Aussagen, wie, dass „die Großen“ das NIE machen würden. Selbst informierte Diskutanten erscheinen wehrlos und resistent gegenüber der Tatsache, dass nicht nur in Österreich eine überwiegende Zahl der Unternehmen weniger als 10 Angestellte haben. Über die Medien wird ein, meiner Meinung nach, völlig falsches Unternehmerbild propagiert, welches von uns aktiv durch ein positives Eigentümer-Unternehmerbild ersetzt werden sollte. Nachhaltigkeit wird sich nicht erst dann durchsetzen, wenn sie bezahlbar ist. Zahlreiche österreichische Unternehmen (Sonnentor, Gugler, Zotter) werden hier oftmals als Aushängeschilder benutzt, aber gerade klein und mittlere Betriebe sollten das Zugpferd einer ökosozialen Marktwirtschaft werden. Eine Rückbesinnung auf realwirtschaftliche Werte wird von wirtschaftstreibenden KMUs aufrichtig gelebt. Gerade dieser Bereich sollte durch gezielte Förderungen weiter positiv gesteuert werden. In diesem Sinne ist auch der viel kritisierte Satz „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“, meiner Meinung nach, nicht grundsätzlich falsch. Ein lokal wirtschaftendes Unternehmen trägt wesentlich zum sozialen, ökonomischen und ökologischen Fortschritt seiner Umgebung bei. Einem Unternehmen mit Gesicht – einem Eigentümer-Unternehmer – wird es ein großes Anliegen sein, aktiver Bestandteil der Zivilgesellschaft zu sein, sich für die Rechte und das Wohl seiner Arbeitnehmer einzusetzen, um die besten Köpfe an sich zu binden und auch respektvoll mit den ihm zur Verfügung stehenden ökologischen Ressourcen umzugehen.

Und hier möchte ich den Kreis zu den oben beschriebenen Punkten schließen – alleine sind alle drei beschriebenen Kräfte auf dem Weg zu einer ökosoziale Marktwirtschaft machtlos. Ein auf Legislaturperioden beschränktes politisches System, eine unmündige Zivilgesellschaft und von Gier verblendete Unternehmen können die Probleme des 21. Jahrhunderts nicht lösen. Gemeinsames Engagement, richtige Rahmenbedingungen und der Wille zur Veränderung bieten nicht zuletzt durch eine innovative und junge Generation an interessierten Menschen den Nährboden für eine bessere Zukunft.

Zum Abschluss möchte ich noch Reinhild Frech-Emmelmann, Samenprinzessin, Saatgutzüchterin und Geschäftsführerin der Reinsaat KG, als inspirierendes Beispiel vorstellen. Reinhilds Demeterbetrieb ist eine der wichtigsten Quellen für biologisches Saatgut in und um Österreich. Eine Art Samenbank, die sich auf die Entwicklung von auf die Alpenregion regional angepassten, samenfesten Sorten spezialisiert hat. Eine ausgeprägte geistige, soziale und spirituelle Überzeugung prägt den mittlerweile 20 Mitarbeiter großen Betrieb und beweist, dass diese zeitintensive Art der Erhaltungszüchtung und Forschung, welche oft an Liebhaberei und Selbstausbeutung grenzt, sehr wohl finanziell rentabel sein kann.

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